Scheiss-Gesellschaft

In einem hochherrschaftlichen Raum, stuckverziert und mit Kronleuchter, sehen wir eine verdichtete Ansammlung von Menschen. Offensichtlich eine feiernde Gesellschaft. Die Tische sind reichhaltig gedekt: Opulente Geflügelbraten und Etageren voller Köstlichkeiten. Ein Mädchen im Hintergrund bringt bereits Nachschub. Der Alkohol fließt in strömen. Ein Herr erhebt sein Glas. Auch die Gläser der andern Gäste sind gefüllt.

Die Gäste sind gut bis vornehm gekleidet, mehrere der Damen tragen exklusiven Perlenschmuck, die Herren Fliege und Hut. Ihre Garderobe und Frisuren erinnert an die feudalen zwanziger Jahre. Entsprechend lässt die Darstellung Gedanken an die sprichwörtlich ausschweifende, spätrömische Dekadenz wach werden.

 

Der Betrachter stört sich schnell an den herumstehenden Toiletten. Auf die Meisten wirken sie offensichtlich fehlplaziert. Doch auf dem Bild haben einige der Gäste bereits darauf Platz genommen. Deutlich sichtbar ein Mädchen im Hintergrund. Ebenso eine Dame in der Mitte links.

 

Unterhalb der Tuschezeichnung ist mit vier Messingnägeln ein Schild angebracht. Es erinnert an das Namensschild an einer Haustüre. Das Schild ist Teil der Arbeit und trägt die Aufschrift: „SCHEISS-GESELLSCHAFT“.

 

Das Werk trägt den gleichnamigen Titel:

„SCHEISS - GESELLSCHAFT“

Was ist mit der Dame, in der Mitte links? Mit leicht gespreizten Beinen sitzt sie sichtbar auf einer Toilettenschüssel. Doch ihr Blick geht ins Leere. In ihrer Hand hält sie eine Maske. Wer ist sie? Zeigt sie jetzt ihr wahres Gesicht?

 

Zwei Damen im Vordergrund lehnen lasziv auf einem Toilettensitz, während eine weitere Dame und ein Herr es sich auf den Spülkästen zweier Toiletten bequem gemach haben. Erhaben, sitzen sie oberhalb der Gesellschaft. Warum? Nehmen sie sich aus ihr heraus oder haben sie mit ihr vielleicht nichts mehr zu tun? Die Dame scheint zu tanzen, vielleicht sogar zu fliegen, der Herr hat seinen Hut abgenommen, ist offensichtlich besonders gut gelaunt.

 

Beim näheren Betrachten fallen weitere Details auf. Auf der linken Bildseite bedient sich ein Gast in einem unbemerkten Moment mit einem Strohhalm am Getränk seines Gesprächspartners. In der dunklen Mitte sind zwei Herrschaften damit beschäftigt den dreckigen Morast zu entsorgen. Sie lehren ihn in ein Loch am Boden. Auch visuell hat diese, besonders dunkle Stelle im Bild eine ausgesprochene Wirkung auf den Betrachter und zieht ihn sofort in seinen Bann. Was sagt dies über uns?

Vielfältige Interpretationen sind möglich und gewünscht.

Bereits 2009 hatte ich die Idee zu „Scheiß Gesellschaft“. Über Jahre hinweg war das Bild in meinem Kopf, doch zeichnerisch weniger begabt, wusste ich nicht, wie ich es umsetzen könnte. Fünf Jahre später sah ich bei den offenen Studiotagen in Weissensee die Arbeiten von Ireen Zielonka. Sie sprachen mich sofort ansprachen. Ich traf sie in ihrem Atelier und erzählte ihr von meiner Idee, meinen Produkten, meinen Projekten. Sie war interessiert, es passte thematisch zu ihren eigenen Arbeiten und ich beauftragte sie die Arbeit nach meinen Erzählungen anzufertigen.

 

Zunehmend gewinnt das Bild für mich an Bedeutung.

 

 

Die Geschichte zum Bild
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.Copyright 2019: Felix Sandberg