See the world with the eyes of a child

 

Hätte mir jemand die Aufgabe gegeben einen Halbmond zu malen. Ich bin mir sicher, ich hätte gelacht. Ich wäre davon überzeugt gewesen, diese Aufgabe mit Leichtigkeit zu lösen. Denn schließlich kann jedes Kind einen Halbmond malen. Richtig? 

 

In Südostasien schaue ich zum Himmel und sehe einen Halbmond. Er sieht anders aus als erwartet. Er ist um neunzig Grad gedreht. Ein lachender Mund anstatt einer Sichel. Meine Vorstellung der Welt gerät ins Wanken...

 

Physikalisch einfach und nachvollziehbar zu erklären, erkenne ich wiederholt, wie verankert wir in unseren Vorstellung über die Welt sind. Und gleichzeitig: wie verkehrt diese manchmal sind. 

 

Meine Verwunderung begründet sich nicht im physikalischen Verständnis. Die Erklärung, warum der Mond anders ausschaut als erwartet, leuchtet mir ein. Aber, ich hätte das Aussehen des Mondes nie hinterfragt. Hätte nie geglaubt, dass der Mond auch anders ausschauen könnte. Erst als ich den geneigten Halbmond sah, wurde mir bewusst, dass der Mond vielleicht nicht immer so ausschaut, wie wir glauben.

 

Unsere Vorstellungen der Welt sind durch unser Umnfeld, in diesem Fall durch den Ort an dem wir aufgewachsen sind, geprägt. An einem anderen Ort, sieht die Welt anders aus. Andere Menschen sehen die Welt mit anderen Augen. Diese Erfahrung lässt sich übertragen. Auf die unterschiedlichsten Bereiche, auf alle Bereiche... 

 

Wir denken in vorgefertigten Denkstrukture, leben mit vorgefertigten Meinungen. Zu selten hinterfragen wir die Dinge, Glauben, was uns erzählt wird. Wir akzeptieren das Dargestellte als gegeben. Glauben, was wir zu sehen glauben. Doch die Welt ist nicht immer so, wie wir sie sehen. 

 

Es gab Zeiten zu denen eine kleine Gruppe von Menschen davon überzeugt war, die Welt sei eine Kugel und keine Scheibe. Sie wurden als Irre abgetan. Ein kollektiver Irrglaube hatte sich gebildet. Aber solange die Mehrheit der Menschen glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist, ist es schwierig sie vom Gegenteil zu überzeugen. 

 

 

Ich sitze in der U-Bahn. Neben mir ein Vater mit seiner Tochter. In einem Moment stellt er fest: die Hose seiner Tochter hat Flecken, er spricht sie darauf an: "Warum hast du denn die Hose mit den Flecken angezogen?" Sie darauf:  "Die Flecken erinnern mich an all die Dinge, die ich erlebt habe."

 

Eine großartige Wahrnehmung der Welt. Für uns sind es Flecken, Dreck. Wir haben gelernt, Flecken sind schlecht. Wir würden eine frische Hose anziehen, gereinigt von unseren Erlebnissen. Doch für das Mädchen sind die Flecken Erinnerungen. Erinnerungen an all die schönen Dinge, die sie erlebt hat...

 

Ist das nicht eine wunderschöne Geschichte? Vielleicht sollten wir öfters dreckige Klamotten tragen, zumindest aber unsere Augen öffnen und das geglaubt objektive hinterfragen.

 

Unsere Wahrnehmung ist geprägt durch einen Filter. Einen Filter, der uns implizit beigebracht und aufgesetzt wurde. Darin sind wir gefangen. Auch ich kenne nicht die objektive Wahrheit. Doch ich kann mich den Dingen der Welt öffnen und versuchen sie mit andern Augen zu betrachten.

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