SERENDIPITY -

         eine konzeptionelle Fotografie

Die Fotografie zeigt eine spontane Straßenszene, primär, eine attraktive, vornehm gekleidete Frau asiatischer Herkunft. In ihrem Mund steckt eine brennende Zigarette, mit ihren Händen ist sie beschäftigt. Zupft sie an Ihrem Schal? Tippt sie auf Ihrem Handy? Was sie genau macht, kann der Betrachter nicht erkennen.

 

In der Mitte des Bildes ist ein Poller. Es scheint als wäre das Bild an diesem Poller symmetrisch gespiegelt. Doch schnell stört sicher der Betrachter an der rechten Bildseite, wo sich die unscharfe Silhouette eines Männerkopfes abbildet. Seine Hände ragen ins Bild, ebenfalls unscharf. Die Haltung lässt vermuten, dass er seinen Rucksack damit festhält. Der Hintergrund des Bildes ist unscharf. Autos lassen sich erkennen, zwei Bäume, auf der linken Seite ist der Arm einer weiteren Person zu sehen.

 

Ist der Mann später hinzugefügt worden? Oder wurde er auf der linken Seite entfernt?

 

 

Beim näheren Betrachten fallen weitere Unstimmigkeiten auf. So qualmt die Zigarette auf der linken Seite stärker als auf der Rechten. Die Fransen des Schals stimmen nicht überein. Am offensichtlichsten, sind die Unterschiedlichkeiten an ihren Fingern zu sehen. Auf der linken Seite streckt sie vier von sich, auf der rechten Seite nur drei.

 

Die Antwort: Es handelt es sich um zwei unterschiedliche Bilder, die zu einem zusammengefügt wurden. Das Rechte ist unverändert, das Linke wurde an seiner Achse gespiegelt. Anschließend wurden sie zusammengefügt. Lediglich die Spiegelkante wurde retuschiert. Ansonsten wurden keinen Anpassungen an den Bildern vorgenommen. Das rechte Bild wurde als erstes aufgenommen, das Linke als zweites. Zwischen den beiden Bildern liegt so viel Zeit, wie ein Mensch benötigt, um an der Kamera vorbei zu gehen.

 

Es ist faszinierend, wie identisch sich die beiden Bilder sind. Das Licht, der Gesichtsausdruck, selbst das Schimmern einzelner Haarsträhnen im Sonnenlicht ist identisch. Aufgrund dieser überragenden Ähnlichkeiten sehen viele Betrachter in dem Bild eine Spiegelung, die es jedoch nicht gibt.

 

Das Bild trägt den Namen „Serendipity“.

 

Serendipity beschreibt die Fähigkeit wünschenswerte Entdeckungen per Zufall entstehen zu lassen. Dabei geht das Konzept über den reinen Zufall hinaus. Die Idee ist, Dinge zu finden, ohne danach zu suchen. Und dabei nicht nur die Dinge zu finden, nach denen wir vielleicht suchen, sondern vor allem die, wonach wir nicht suchen. In der Literatur wird häufig von „...the ability to see bridges where others see holes“ gesprochen.

 

Es geht um den glücklichen Zufall auf der einen, aber auch die Fähigkeit, ihn entstehen zu lassen, auf der andern Seite.

 

Ein anschaulichen Beispiel aus den Naturwissenschaften ist die Entdeckung von Penicillin oder den Post-it´s. Bei letztem waren die Entwickler auf der Suche nach einem möglichst starken Klebstoff, entwickelten dabei aber unbeabsichtigt den leichtesten Klebstoff aller Zeiten. Zum einen begünstigten sie das Event, da sie mit unterschiedlichsten Klebstoffen experimentierten. Aber sie erkannten auch den Nutzen eines leichten Klebstoffes und fanden hierfür eine konkrete Anwendung. Sie suchten nach etwas und fanden dabei etwas ganz anderes. Auch Alexander Fleming warf die verunreinigten Petrischalen nicht in den Müll sondern sah das Potential des Pilzes Penicillin.

 

Serendipity lässt sich auf alle möglichen Bereiche des alltäglichen Lebens übertragen und eignet sich auch als grundsätzliche Lebenseinstellung. Das bekannte Holstee Manifesto beispielsweise besinnt sich in ihrer Zeile „If you are looking for the love of your life, stop“ auf das Serendipity Konzept. Und McKeen propagiert in seinem NY Times Artikel über Serendipity mehr Zeitung zu lesen um zufällig auf Dinge zu stoßen, anstatt in Google gezielt nach etwas zu suchen.

 

Das Bild trägt den Namen Serendipity, da es auf eben diese Weise entstanden ist. Es wurde nicht geplant  oder gestellt. Es entstand auf meiner Inspirationsreise in New York City. Ohne nähere Gedanken nahm ich einige Bilder von spannenden Passanten am Union Square auf. Erst bei der Durchsicht meiner Bilder Zuhause und der Erstellung eines „Moodboardes“ für meine Homepage, entdeckte ich die herausragende Ähnlichkeit auf den beiden Bildern und die vermeidliche Spieglung. Wie durch einen Zufall, bin ich erst auf meiner Reise auf das Konzept Serendipity aufmerksam geworden. Einige Tagen später entstand, durch die unbeabsichtigte Neugier meinerseits, dieses Werk.

 

Darüber hinaus, thematisiert das Bild auch die Frage nach objektiver Wahrheit. Viele sehen in dem Bild eine Spiegelung und suchen den vermeintlichen Fehler. Viele glauben diesen in dem Mann zu sehen. Glauben, er wäre hinzugefügt oder entfernt worden. Zu oft glauben wir an das, was wir zu sehen glauben, ohne nach der Wahrheit zu suchen. Auch diesbezüglich möchte das Bild Denkanstöße geben. 

Das Bild hat eine Größe von 70 x 70 cm und ist in einer Edition erhältlich, Auflage: 50 Stück.

 

Weitere Fragen und Anregungen gerne per Mail.

Fortsetzung folgt...

  • Facebook - Black Circle
  • Twitter - Black Circle
  • Google+ - Black Circle
  • Instagram - Black Circle

.Copyright 2019: Felix Sandberg