Felix Sandberg ‘s

Supermodels

Supermodel Cindy, 90 x 90 cm, framed 104 x 104 cm, Edition 3 + 1 AP

Supermodel Claudia, 90 x 90 cm, framed 104 x 104 cm, Editon 3 + 1 AP

Supermodel Naomi, 90 x 90 cm, framed 104 x 104 cm, Edition 5 + 1 AP

Naomi in the moonlight, 90 x 90 cm, framed 104 x 104 cm, Edition 3 + 1 AP

 ​Bevor Felix Sandberg seine kreativ schaffende Tätigkeit professionalisierte, war für etliche Jahre die Mode ein zentraler, sein Leben definiere Faktor. ​​Fashion, Models, Schönheit. Eine Aura von Glanz und Glamour umgab alles, was diese Branche hervorbrachte. Dies faszinierte ihn so viel mehr als Automobil oder Schraubenindustrie und so verfolgte er seine ersten Karriereschritte in dieser Richtung. 

 

Doch zunehmend hinterfragte er sein Umfeld kritisch. Gleichzeitig entdeckte er seine künstlerischen Fähigkeiten neu. Und plötzlich war der entscheidende Gedanke da: Fotografien von Rindersteaks bezeichnet als Supermodels. Eine treffende Analogie: Models sind reduziert auf ihren Körper, auf ihr Fleisch. Ihre Persönlichkeit ist nicht relevant. Es geht rein um ihr Äußeres, ihre Form, ihre Schönheit, um ein (subjektives) Schönheitsideal. Models werde als Objekte betrachtet und ihre einzige Existenzberechtigung ist ihr Körper, ihr Fleisch. Ihr Zweck ist es Begehrlichkeiten beim Konsumenten zu wecken. Das alleinige Ziel dabei ist es, ein Produkt zu verkaufen.  

 

Der Begriff der Supermodels wurde in den Neunziger Jahren geprägt, als Models nicht mehr nur Models waren, sondern zu Superstars avancierten und als "Gottgleiche Wesen" zu Leitfiguren der Popkultur wurden. Auch seine Models tragen Namen. Er taufte sie u.a. Cindy, Claudia, Linda und Naomi.  

Der Künstler fotografierte nur Stücke von bester Qualität. Die Aufnahmen sind geprägt durch intensives Licht und harte Schatten, starke Kontraste, Tiefenschärfen und eine ausgewählte Farbigkeit.  Durch diese Art der Darstellung erhalten die leblosen Stücke wieder einen eigenen Charakter und erinnern weniger an Bilder aus einem Lebensmittelprospekt, sondern viel eher an künstlerische Portraits.

 

Aufgenommen wurden die Portraits mit einer analogen Hasselblad 500. Ihre Wahl ist kein Zufall: Viele große Modefotografen jener Zeit nannten eben jene Hasselblad ihr Handwerkszeug. Ein weiterer Verweis auf die konzeptuelle Idee der "Supermodels". Das besondere an der Kamera ist, sie hinterlässt ihre Spuren auf dem Negativ. Am linken schwarzen Bildrand verweisen zwei nach rechts gekippte Vs auf ihre Verwendung. Der Legende nach hat sich Victor Hasselblad, der Erfinder der Kamera auf diese Weise verewigt. 

Anschließend digitalisierte der Künstler die analogen Aufnahmen hochwertig. Typischerweise verursachen beim Scannvorgang Staubkörner oder Kratzer auf dem Negativ unschöne Spuren auf dem digitalen Bild. Normalerweise werden diese retuschiert. Doch ganz bewusst ließ der Künstler sie an einigen auffälligen Stellen bestehen. Der Künstler bezeichnet diese Hinweise als "Analog Fails" und verweist damit sichtbar auf seinen Arbeitsprozess. 

Auch die Bildmaße sind konzeptuell. So wurde das Format von 90 x 90 cm bewusst gewählt. Zusätzlich haben die Stücke "Linda" und "Naomi" eine Diagonale von 60 cm. Mit dieser Verrottung spielt der Künstler auf das absurde "Idealmaß" 90-60-90 an. Darüber hinaus erinnert das quadratische Format auch an Instagram und die in diesem Medium vorherrschende Selbstdarstellung. Es ist erschreckend was viele, teils sehr junge Menschen, auf dieser Plattform von sich, für alle zugänglich, zeigen. 

Die Arbeiten thematisieren Supermodels als hüllenlose Werbeikonen und hinterfragen dabei die Hintergründe einer Branche deren Treibstoff ein realitätsfernes Image ist. Doch je weiter das Projekt fortschritt, desto stärker entwickelte sich für ihn sein Symbol der Supermodels als Gleichnis für die Absurdität, mitunter gar Perversität unserer heutigen Denk- und Lebenswelten. Entsprechend haben die Arbeiten weitere Deutungs- und Interpretationsebenen. 

Zum einen kann die direkte Betrachtung verallgemeinert werden, wodurch die Arbeiten als Kritik an unserer heutigen Konsumwelt betrachtet werden können. So kann sich der Künstler als Teil der westlichen Welt mit entsprechender Kaufkraft ein solches Stück Fleisch kaufen. Er kann es als ein Supermodel bezeichnen, im Bezug auf das Fleisch, als ein besonders tolles Stück: Lange gereift und von hoher Qualität. Er hat diesen Gedankengang, weil er Zugang zu den entsprechenden Ressourcen hat. In einem anderen Teil der Welt könnte mit dem äquivalent an Ressourcen zur "Produktion" dieses Stückes eine ganze Familie eine gewisse Zeit ernährt werden. In dieser Analogie thematisiert das Werk auch den Kampf um begrenzte Ressourcen im Zuge einer überbevölkerten Welt, Verteilungsfragen, arm gegen reich, und damit einhergehenden Fragestellungen.  

Letztlich haben die Bilder auch eine religiöse Komponente. In unserer Welt kann ein Rindersteak als Supermodel bezeichnet werden. In Indien wäre hier jedoch eine geschlachtete Gottheit - die heilige Kuh - dargestellt. Das Töten einer Kuh kann in manchen Teilen Indiens immer noch mit der Todesstrafe geahndet werden. Auch diese Betrachtung regt zum Nachdenken an, gerade im Zusammenhang mit der Frage nach einer absoluten Wahrheit.    

Linda, 90 x 90 cm, Edition 3 + 1 AP

Making-of Supermodels

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